Lieder über Klezmorim und Fahrendes Volk – Analyse

In zwei Filmen, Yidl mitn Fidl und Dem Khazns Zundlsind fünf, von Klezmorim (Musikern) gesungene, Lieder enthalten, die zudem das Klezmer- bzw. „Zigeuner“-Leben thematisieren bzw. als „Lockmittel“ für intradiegetische Zuschauer gedacht sind.

Dazu kommt noch in Yidl mitn Fidl rein instrumentale Klezmermusik. Beispiele hierfür sind in den jenen Sequenzen zu finden, in denen die Klezmorim auf den Hinterhöfen musizieren (SQ 05/1 und SQ 07). Besonders auffällig sind dabei die für die Klezmer-Musik typischen krekhts-, kneytsh- und kvetsh-Verzierungen (Vgl. Winkler 2003, 106 f.), die die Musik unverwechselbar machen, und die somit eindeutig als Ausdruck von yidishkayt zu werten ist.

Diese Klezmermusik (Violine, Klarinette, Kontrabass) als Ausdruck von yidishkayt wird darüber hinaus in der neunten Sequenz noch durch einen dazugemischten Fremdton (ein von Blechbläsern dominiertes Orchester) ergänzt und verstärkt (ab TC 0:15:30). Die Melodie des Stückes wird später erneut aufgegriffen, allerdings in sehr getragener Form, im von Taybele zweimal, einmal 1:17 Minuten (SQ 26/2), einmal 46 Sekunden (SQ 31) lang gesungenen Hert mikh an [Hört mir zu], in dem sie das schwere Leben der klezmorim besingt.

Das zweite, in Yidl mitn Fidl enthaltene, im „amerikanischen Vaudeville-Stil“ vorgetragene“ Klezmer-Lied (vgl. Lensch 2006, 3) ist das nahezu zweiminütige Yidl mitn Fidl das Yidl zusammen mit ihrem Vater auf dem Heuwagen anstimmt, und das euphorisch das Wanderleben der Musiker besingt (SQ 04, TC 0:08:31). Obwohl es stilistisch dem jiddischen Theater und Vaudeville verpflichtet und damit kein klassisches jiddisches Volkslied ist, wurde dieses sehr eingängige Lied sehr schnell von extrafilmischen Klezmergruppen aufgegriffen (vgl. Hoberman 1991, 238) und begann alsbald ein Eigenleben, so dass man hier also fast von einem Transfer von yidishkayt-Attributen in umgekehrter Richtung sprechen könnte.

Im harten Kontrast dazu steht das 2:30 Minuten lange In dayn vandern aus Dem Khazns Zundl , das das Wanderleben von Künstlern ebenfalls thematisiert, dabei aber die Schwierigkeiten dieses heimatlosen Umherstreifens herausarbeitet (SQ 07).

Ferner enthält der Film das Lied Grine Bleter. Wie etliche der Liebeslieder wird es angestimmt, nachdem ein intradiegetisches Stichwort gefallen ist: Sol und Rivke sitzen Nächtens auf der Bank vor dem Haus. Als von weit her leises Violinespiel herüber weht, fragt Sol seine Angebetete, wer da spielen würde, woraufhin Rivke ihm antwortet, dass es „Makar“ der „tzigayner“ [Zigeuner] sei (SQ 34, TC 1:07:50/1:08:04). Begeistert über die Information, dass Makar noch lebt (der im Film vorher weder selbst auftaucht, noch von jemandem erwähnt wird), hebt Sol zu singen an, für eineinhalb Minuten. Bei dem Lied handelt es sich um eine abgewandelte Version des von Itzig Manger für die Studenten des jiddischen Lehrer-Seminars in Vilnius geschrieben hat (Vgl. Mendele-Archiv vol. 15.030, Eintrag von Bob Rothstein, 25. September 2005).

Das letzte, im Dem Khazns Zundl enthaltene, mit 23 Sekunden sehr kurze Lied, das man dieser Kategorie zuordnen kann, Kumt tzu mir, wird vom jungen Shloyme und der Schauspieltruppe gesungen (SQ 02/4, TC 0:03:27/0:03:41). Der Zweizeiler verweist, insbesondere in seinem Kontext, auf das Theater, und kann aber als Lied welches Kundschaft anlocken soll, jedoch schwerlich als Ausdruck von yidishkayt gewertet werden.

Quellen

  • Juliane Lensch, “Funktionen von Musik im jiddischen Film”, Vortrag im Rahmen von IX. Symposium für Jiddische Studien in Deutschland, Düsseldorf, 10. Oktober 2006, unveröffentlichtes Manuskript, S. 3.
  • Winkler, Georg, Klezmer – Merkmale, Strukturen und Tendenzen eines musikkulturellen Phänomens, Bern 2003.